Interfacedesign

Flat Design – wie flach ist noch sinnvoll?

Mit Windows 8 präsentierte sich Microsoft 2011 erstmals im reduzierten Flat Design – und ebnete damit den Weg für einen neuen, innovativen Design-Trend. Doch wieviel Klick-Intuition können Designer dem Nutzer zumuten? Wie flach ist noch sinnvoll?

Benedikt Grathwohl 18.10.2016

Button in immer flacher werdendender Anmutung

Flat Design reduziert das Design aufs Wesentliche

Beim Flat Design handelt es sich um einen Stil des Interfacedesigns. Dabei werden Design-Elemente auf ein Minimum reduziert und die Gestaltung so aufgeräumt und funktional wie möglich gehalten. Es wird auf auffällige Indikatoren wie etwa blau unterlegte Schrift oder 3D-Effekte (beispielsweise Knöpfe und Buttons), die die Klickbarkeit anzeigen, verzichtet. Stattdessen werden eher schwache Indikatoren wie leichte Schatten oder Verzierungen oder gar keine Indikatoren eingesetzt. Flat Design verlässt sich auf die Web-Erfahrung und „Klick-Intuition” des Nutzers, also den Impuls, etwas anzuklicken.

Damit ist es eine Art Gegenstück zum sogenannten Skeuomorphismus, bei dem das digitale Design dem analogen Vorgänger nachempfunden wird und ihn optisch imitiert. Eine Radio-App sieht dann etwa aus wie ein klassisches Radio, obwohl es dazu keine funktionelle Notwendigkeit gibt. Außerdem kann man Flat Design als den Ursprung von Material Design bezeichnen.

Flat Design hat sich vor allem durch schnellere Ladezeiten und leichtere Anpassungen für verschiedene Bildschirmgrößen zum Standard etabliert.

Wie viel Web-Erfahrung müssen die Nutzer Ihrer Website mitbringen?

Da Flat-Design eine gewisse Web-Erfahrung voraussetzt, ist die Bedienung nicht für jeden Nutzer gleich nachvollziehbar. Auch für erfahrene Nutzer muss deutlich werden, welche Flächen klickbar sind und welche Priorität sie auf der Seite haben. Das kann zum Beispiel durch den Kontext beziehungsweise die Anordnung der Elemente passieren. So werden mehrere nebeneinander platzierte Elemente am Beginn der Website in der Regel als Menüpunkte und somit als klickbar erkannt. Auch Hinweise wie „Über uns“ erkennen die meisten Nutzer als Klickfläche.

Wann ist flach zu flach?

Problematisch wird Flat Design, wenn durch zu starkes Reduzieren der Elemente nicht mehr klar ist, welche Elemente der Navigation dienen und die Seiten-Hierarchie undurchsichtig wird. Eigentlich interaktive Elemente erkennen die Nutzer nicht mehr als solche. „Wo soll ich zuerst hinschauen? Welche Flächen sind anklickbar? Worauf muss ich klicken, um zu meinem Ziel zu gelangen?“ Tritt das ein, erreicht Flat Design genau das Gegenteil seines eigentlichen Ziels: Die Seite wirkt nicht mehr aufgeräumt, sondern unübersichtlich. Die Nutzerführung wird langsamer, und der User findet sich schlechter zurecht. Hier fällt die Usability der Ästhetik zum Opfer.

„In fact, we've noticed that long-term exposure to these flat yet clickable elements has been slowly reducing user efficiency by complicating their understanding of what's clickable and what isn't“,

so das Fazit der Nielsen Norman Group zum Thema Flat Design.

Mit Mischformen zu besserer Nutzerführung.

Da viele Websites mittlerweile zu „flach“ sind und der Design-Trend sich langsam erschöpft, variieren viele Designer mit einer Art „Flat 2.0“. In diesem Design sind die meisten Elemente nach wie vor flach gehalten, manche jedoch durch leichte Schatten oder Highlights mit einer gewissen optischen Tiefe versehen – eine Mischform aus Minimalismus und Skeuomorphismus also. Auf diese Weise wird der Nutzer wieder besser geführt und gelangt einfacher an sein Klick-Ziel.

Fazit

Flat Design ist zu einem Standard geworden. Hier und da haben Designer den Stil allerdings zugespitzt und mit der „Flachheit“ übertrieben: Übersichtlichkeit und Bedienbarkeit wurden optischen Ansprüchen untergeordnet. Mittlerweile kehren viele Gestalter deshalb langsam zu einer eindeutigeren Seiten-Hierarchie zurück, mit klarer differenzierbaren Elementen. Grundsätzlich handelt es sich aber nach wie vor um Flat Design, auch wenn man teilweise von „Flat 2.0” spricht. Wichtig dabei ist, dass die Optik nicht höher gewichtet wird als die Usability. Denn eine gute Nutzerführung ist essenziell für den Erfolg einer Website.