Website-Checkliste für Strategie, Konzept und Design

„Wir wollen einen Relaunch der Website, am besten gestern. Wo fangen wir an?“ – Der 10-Schritte-Plan

Der Relaunch ist entschieden, jetzt gehts ans Eingemachte. Ideen überschlagen sich, alle wollen ihren Senf dazu geben: Es wird fleißig gezeichnet und geschrieben und programmiert, dem Kollegen passt plötzlich das Layout für die Website nicht, er schlägt ein neues Webdesign vor, das er selbst schon mal auf Papier umgesetzt hat.
Gemach, gemach! Eins nach dem anderen.

Lena Schröder 27.05.2016

Die verschiedenen Räume im Grundriss einer Website, die alle berücksichtigt werden müssen.

Ein Relaunch will gut durchdacht sein und braucht Zeit. Die folgenden 10 Schritte unserer Website-Checkliste helfen bei der Planung.

1. Wettbewerbsanalyse: Was machen die Anderen?

Ein Relaunch ist dann sinnvoll, wenn eine Website nicht den gewünschten Nutzen für die Zielgruppe oder das Unternehmen bringt. Wenn die Probleme identifiziert wurden, hilft eine Analyse der Wettbewerber bei der Orientierung für das eigene Vorgehen. Wie positionieren sich andere Wettbewerber online? Was kommunizieren sie und wie sprechen sie ihre Zielgruppen an? Wie sieht das Design oder Redesign aus? Welche Keywords führen zu den Wettbewerbern? Eine Analyse der Anderen hilft bei der eigenen Positionierung. Ein Alleinstellungsmerkmal, das die eigenen Dienste von anderen unterscheidet, ist der Aufhänger um in Zukunft Orientierung zu stiften.

2. Strategie: Was wollen wir mit dem Relaunch erreichen?

Der Erfolg einer Website bedeutet, Ziele zu erreichen. Diese Ziele müssen erstmal definiert werden. Ein Relaunch braucht ein strategisches und umfängliches Konzept, das die Ziele und Handlungspläne für die Website klar formuliert und aufeinander abstimmt.

3. Zielgruppen: Wen wollen wir wie ansprechen?

Aus der Zieldefinition ergeben sich meist schon die Zielgruppen, die angesprochen werden sollen. Zielgruppen analysieren heißt auch, sich in mögliche Einzelpersonen hineinzuversetzen (Personas erstellen): Ich bin ein Kunde und habe ein Problem oder einen Wunsch. Was muss die Website können, um den gewünschten Nutzen zu bringen? Wie kann die Website ein Problem lösen? Diese ersten Überlegungen geben eine konzeptionelle Richtung für den Aufbau der neuen Website vor.

4. Website Konzept und Informationsarchitektur: Wie ist die Website aufgebaut?

Warum heißt es Informations-„Architektur“? Weil das Konzept für eine Website wie eine Bauskizze für ein Haus zu verstehen ist. Wo ist das Badezimmer, wo die Küche, wo kann ich mich ausruhen? Ähnliche Fragen stellt sich ein Informationsarchitekt, wenn er überlegt, wie die Inhalte einer Website organisiert werden. Aus den Überlegungen entstehen Navigation und Sitemap, die die Wege des Nutzers durch die gesamte Website bestimmen. Die Zuordnung folgt aus der Sicht des Nutzers, der sich intuitiv und nach logischen Prinzipien von Seite zu Seite bewegen möchte.
Die URL-Bestimmung ist dabei auch ein wichtiger Faktor. Beispiel: Ein Nutzer gibt aufgrund einer Frage ein bestimmtes Keyword bei Google ein. Ist das Keyword in einer URL oder in den Meta-Tags der Website enthalten, gelangt der Nutzer direkt auf die Detailseite, die im besten Fall seine Frage beantwortet.
Der Informationsarchitekt schafft Struktur – er ebnet den Weg, den der Nutzer nach dem Relaunch durch die Website geht.

5. Usability: Was erwarten die Nutzer?

Usability heißt soviel wie die „Benutzerfreundlichkeit“ – oder umständlicher formuliert: die „Gebrauchstauglichkeit“ – eines digitalen Angebots. Für den Nutzer muss das Angebot verständlich und intuitiv zu bedienen sein; seine Erwartung: Er will über bekannte Funktionen und Elemente mit wenig Aufwand zu einem Ergebnis kommen.

Ein anderer Anbieter ist nur einen Klick entfernt.

Auch hier ein Beispiel: Ein Nutzer möchte in einem Onlineshop etwas kaufen, muss sich aber erst kompliziert durch verschiedene Unterseiten klicken. Von anderen Websites weiß er, dass der Kaufvorgang eigentlich mit drei bis fünf Klicks erledigt ist. Er wird jetzt wahrscheinlich abspringen und woanders kaufen.
Eine hohe Usability bedeutet einerseits, dass der Nutzer zu jeder Zeit weiß, wo er sich auf der Website befindet. Andererseits, dass er sich problemlos durch die Angebote bewegen kann. Usability verfolgt zwei Ziele: Der Nutzer bekommt sein gewünschtes (Such-)Ergebnis, der Anbieter erreicht Conversion – wenn sich der User auf der Website registriert oder etwas kauft, wird er vom Interessenten zum Kunden.

6. Content: Was wollten wir nochmal sagen?

Die Inhalte einer Website können zur Königsdisziplin des Relaunch werden, denn sie sind für den Nutzer und den Anbieter immer wichtiger. Der Content gibt dem Nutzer Antwort auf seine Fragen – er stiftet Orientierung.
Vielleicht sind die alten Inhalte schon so gut, dass sie beim Relaunch einfach übernommen werden können. Ein paar Fragen vorab sind trotzdem hilfreich: Spricht der Inhalt alle Zielgruppen gleichermaßen an? Ist er informativ? Macht es Spaß ihn zu lesen? Es lohnt sich, den Content vor einem Relaunch zu prüfen.

7. Redesign: Wie soll die neue Website aussehen?

Das Nutzerverhalten und der Geschmack verändern sich in der digitalen Zeit rasant. Zeitgemäßes Design ist deshalb ein Muss: Es macht den Nutzer neugierig und lädt zum Bleiben ein. Clean Webdesign transportiert zum Beispiel den Seiteninhalt auf einen Blick und spielt auch für die Corporate Identity eine Rolle. Das Design richtet sich dabei immer nach den Inhalten und der Struktur der Website und nicht andersherum – eine perfekt gestaltete Seite ohne Inhalt bringt bei einem Relaunch ebenso wenig wie tausende Inhalte ohne ansprechendes Design.
Die Website muss nicht nur ästhetisch anmuten, sie muss auch funktionieren: Immer mehr Menschen surfen mobil über Tablets oder Smartphones. Hier ist Responsive Design gefragt: Die Website wird auf allen Endgeräten und Browsern optimal angezeigt.

8. SEO: Wie werden wir gefunden?

Ein Relaunch nützt nichts, wenn ihn niemand sieht. Bei einer Suchanfrage auf Google klickt der User meist nicht weiter als bis zur zweiten Ergebnisseite. Allerspätestens dort sollte die eigene Website auftauchen.
SEO (Search Engine Optimization), zu deutsch „Suchmaschinenoptimierung“ ist mittlerweile ein eigenständiges Geschäftsfeld von Agenturen geworden. Ziel ist es, dass die eigene Website unter den ersten Suchergebnissen angezeigt wird. Google „liest“ die Inhalte und Strukturen der angebotenen Websites nach bekannten HTML-Standards und Vorgaben. Damit die eigene Seite positiv gelistet wird, muss sie diese Vorgaben einhalten. Bei einem Relaunch kann SEO einerseits technische Komponenten wie die interne Linkstruktur oder Tags betreffen. Andererseits können auch die Inhalte einer Website optimiert werden: Relevante Keywords machen den Inhalt für Google „relevant“, die Website wird besser gerankt, der Nutzer findet sie schneller.
Aber Vorsicht! Google erkennt Manipulationen. Wenn die Inhalte beispielsweise mit zu vielen Keywords gespickt werden, straft die Suchmaschine sie schnell als Spam ab.

9. Technisches Konzept: Funktioniert das überhaupt?

Die Inhalte, das Design und die technische Umsetzung stehen fest. Bleibt nur die Frage: Geht das überhaupt?
Bevor der Relaunch losgeht, muss klar sein, ob die geplante Website technisch realisierbar ist. Kann sie erweitert werden, wenn regelmäßig neue Inhalte dazu kommen? Welches CMS erfüllt die geplanten Anforderungen? Können Updates ohne Probleme eingepflegt werden? Passt sich das Layout an technische Änderungen an? So dynamisch wie die digitale Zeit muss auch das digitale Produkt selbst sein. Ein modularer Aufbau der Website, der ständig ergänzt werden kann, ist sinnvoll (wie es zum Beispiel in TYPO3 möglich ist). Wer die technische Umsetzung des Relaunch schon zu Beginn genau plant, vermeidet nachträglichen Stress und Mehraufwand.

10. Das Drehbuch: Haben wir jetzt an alles gedacht?

Das Drehbuch hält alle geplanten Maßnahmen für den Relaunch fest: Den strukturellen Bauplan der Website, alle inhaltlichen, gestalterischen und technischen Aspekte. Es ist sinnvoll, die einzelnen Projektphasen mit allen Pflichten und Aufwendungen festzulegen, um bei Problemen den Überblick zu behalten. Weil jeder beobachtete (Fort-)Schritt dokumentiert ist, dient das Drehbuch als Orientierung für einen erfolgreichen Relaunch.